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FiT lud zur 28. Fachtagung Industrielle Bauteilreinigung

Insgesamt 116 Teilnehmer und 20 Aussteller fanden sich zu der von fairXperts organisierten Fachtagung ein, die unter dem Motto „Perfektion und Innovation prägen die Bauteilreinigung der Zukunft“ stand. Auf Einladung des FiT bot die Veranstaltung am 4. und 5. April 2019 im Maritim Hotel in Ulm zwei Tage Expertenwissen und Grundlagen zu bewährten und neuen Lösungen in der industriellen Reinigung, inklusive Erfahrungsaustausch am runden Tisch und in der begleitenden Ausstellung.

28. FiR: Prof. Dr. Lothar Schulz führte durch das Programm, das Raum für Rückfragen und Diskussionen bot.

Prof. Dr. Lothar Schulz führte durch das Programm, das Raum für Rückfragen und Diskussionen bot.

Detaillierte Spezifikationen hinsichtlich partikulärer oder filmischer Verschmutzungen sind bei zahlreichen Bauteilen heute eine Selbstverständlichkeit. Die Fachtagung Industrielle Reinigung des FiT bietet Lösungen, um die erforderliche Reinigungsqualität effizient zu erreichen und zu erhalten. Lag der Fokus in der Vergangenheit vermehrt auf der Bauteilsauberkeit selbst, konzentrieren sich der FiT und seine Veranstaltung mittlerweile zunehmend auf den gesamten Prozess.

„In der Veranstaltung wird der gesamte Weg bis zum Endprodukt beleuchtet“, so Andrea Krause, Witzenmann GmbH, die bereits seit vielen Jahren an der Fachtagung teilnimmt. „Die einzelnen Komponenten in der Prozesskette waren zwar schon immer Thema, aber jetzt werden sie stärker miteinander verknüpft, Wissenslücken werden geschlossen. Bei jeder Fachtagung erfahre ich etwas Neues. Und ich treffe interessante Leute.“

Diesen Trend setzte auch die diesjährige 28. Fachtagung Industrielle Bauteilreinigung konsequent fort, die von den Teilnehmern insgesamt mit der Note 1,7 bewertet wurde.

Hohe Prozess- und Produktqualität durch Perfektion

Am ersten Veranstaltungstag drehte sich alles um perfekte Lösungen für eine hohe Produkt- und Prozessqualität. Nach einführenden Worten durch den stellvertretenden FiT-Vorsitzenden und Tagungsleiter Prof. Dr. Lothar Schulz eröffnete Ulrike Kunz, SurTec Deutschland GmbH, das Vortragsprogramm mit einem Überblick über die Grundlagen und verfahrenstechnischen Lösungen für eine optimale Bauteilreinigung.

Im Anschluss befasste sich Franziska Link, SEW Eurodrive GmbH & Co. KG, mit der Optimierung des Reinigungsprozesses in der Getriebefertigung. Ein Serienversuch ergab, dass das System Kühlschmiermittel-Anlagentechnik-Reinigungsmedium maßgeblich für die Prozessfähigkeit verantwortlich ist. Zur Erhöhung von Badstandzeit und Anlagenverfügbarkeit werden erste Versuche mit einer Ultrafiltrationsanlage durchgeführt und die Auswirkungen auf den Prozess bewertet.

Die Optimierung der Reinigungsprozesse bei der Herstellung keramischer Bauteile stand im Fokus des Beitrags von Jens Emmerich, BCD Chemie GmbH. Die verschiedenen durchgeführten Schritte haben zu einer stabilen Prozessführung geführt, mit einer Stabilisierung der Badstandzeiten trotz Steigerung der Analgenauslastung und einem Rückgang der Nachbearbeitungsquote. Letztlich konnte die Produktqualität deutlich gesteigert und eine Lieferantenzulassung erreicht werden.

Markus Mitschele, HÖCKH Metall-Reinigungsanlagen GmbH, und Michael Onken, SAFECHEM Europe GmbH, erläuterten in ihrem Tandemvortrag die Entwicklungsgeschichte der Lösemittelreinigung anhand eines Praxisbeispiels aus der Luftfahrtindustrie. Ihr Resümee: Wenn mit Lösemittel die geforderte technische Sauberkeit (filmisch/partikulär) erreicht werden kann, ist es oftmals eine wirtschaftliche und prozesssichere Alternative zu wässrigen Medien.

Der neue technische Geschäftsführer der MAFAC – E. Schwarz GmbH Stefan Schaal stellte mit der MAFAC Vektorkinematik eine neue Dimension bewegten Reinigens vor. Denn im Gegensatz zu einem starren oder auch rotierenden Düsenrohr erreicht das rotierende und schwenkende Düsenrohr der Vektorkinematik allein durch die Bewegung eine um 60 Prozent höhere Beaufschlagung von Bauteilen, Sacklöchern, Hinterschneidungen und Spritzschatten. Dies führt zu einer Optimierung der Taktzeit.

Um die Prozesskomponente Mechanische Partikelfiltration von Reinigungsbädern ging es im Vortrag von Stefan Barwig, Filtertechnik Jäger GmbH. Der Filter als Teil der Anlage wird oft stiefmütterlich behandelt. Die Anforderungen an Filtrationen werden jedoch immer anspruchsvoller. High-Flow-Filterelemente mit großer Filterfläche helfen dabei, Filtrationsprozesse wirtschaftlich und effizient zu gestalten. Denn trotz des höheren Preises im Vergleich zu konventionellen Filterbeuteln führt ihr Einsatz insgesamt zu einer Kosteneinsparung, da sich die sich die deutlich Standzeit erhöht.

Das Thema Qualitätssicherung stand im Fokus der letzten drei Beiträge des ersten Veranstaltungstages, bevor ein eigens festgelegter Tagungsabschnitt Zeit für weitere Gespräche zwischen Teilnehmern, Ausstellern und Referenten bot.

Tilo Zachmann, SITA Messtechnik GmbH, referierte zum Thema Sicherung der Produktqualität durch Benetzungskontrolle. Er stellte eine Prüfmethode bzw. ein Produkt vor, das über Kontaktwinkelmessung eine prozessnahe Benetzungskontrolle bietet. Die Benetzbarkeit gibt wiederum Aufschluss über Verunreinigungen.

Wie sich ein fähiger und beherrschter Teilereinigungsprozess mithilfe der Six-Sigma-Methode erreichen lässt, stellten Almut Melzer, Six Sigma TC GmbH, und Dr. Michael Flämmich, VACOM Vakuumkomponenten und Messetechnik GmbH, vor.

Den Abschluss bildete Christoph Tanner vom Fraunhofer Institut, der den technisch-wissenschaftlichen Ansatz des frisch angelaufenen Projekts „UltraRein“, gefördert durch das BMWi im Rahmen von IGF und AiF, eingereicht von der DGO, beschrieb. Das Projekt sieht vor, mithilfe eines intelligenten Multisensorsystems zur Überwachung der Ultraschallwirkungskette ein neues Niveau der Datenerfassung zu erreichen und damit den Weg von der erfahrungsbasierten zur adaptierten Reinigung zu beschreiten.

Innovative Lösungen für die Bauteilreinigung der Zukunft

Der zweite Veranstaltungstag widmete sich innovativen Lösungen für die Bauteilreinigung der Zukunft. Den Auftakt machte Magnus Irion, Ecoclean GmbH, der die Digitalisierung einer Reinigungsanlage vorstellte.

Online Sensorik für die kontinuierliche Sauberkeitskontrolle der Bauteile stellte Dr. Sebastian Wex, RJL Micro& Analytic GmbH, vor. Er gab zunächst eine Übersicht und einen Ausblick über Methoden und Möglichkeiten zur Kontrolle von Verunreinigung und stellte dann ein neues technisches Konzept zur Detektion partikulärer Verunreinigungen durch industrielle Bildgebung vor.

Ebenfalls um die Digitalisierung von Reinigungsprozessen, jedoch bei der Trockenreinigung, ging es im Vortrag von Dr. Günther Schmauz, acp Systems GmbH. Er stellte für die digitale Transformation einen CO2-Schneestrahlreinigungsprozess vor. Die Güte des Schneestrahls lässt sich in einen digitalen Wert übertragen, der dem einzelnen Bauteil zugeordnet und beispielsweise dort in einen 2D-Data-Matrix-Code hinterlegt werden kann.

Im Anschluss an die Fachvorträge wurde am runden Tisch erörtert, wo die Reise für die Bauteilreinigung hingeht. Moderiert von den jeweiligen FiT-Fachausschussleitern diskutierten dazu Tagungsteilnehmer, Referenten und Aussteller Aspekte der Bereiche Chemie & Verfahren, Anlagentechnik sowie Messen, Prüfen & Steuern.